Ohne Pass nach London - Vereinfachte Einreise für Schülergruppen

Seit dem Brexit ist der Austausch zwischen deutschen und englischen Schulen um etwa 75% zurückgegangen. Ab dem 1. August 2026 soll sich dies wieder ändern.

Frankfurter Allgemeine Zeitung (vom 01.08.2026)
 

Ohne Pass nach London

Vereinfachte Einreise für Schülergruppen

Vom 1. August an erleichtern die britischen Grenzbehörden die Einreise deutscher Schülergruppen auf Klassen- oder Tutorien-Fahrten. Die britische Regierung löst damit eine Verabredung ein, die Bestandteil des vor einem Jahr geschlossenen deutsch-britischen Freundschaftsvertrags ist. In jenem „Kensington-Vertrag“ hatten sich beide Seiten verpflichtet, den Jugendaustausch zwischen dem Vereinigten Königreich und Deutschland zu vereinfachen.

Die neue Regelung folgt einem vereinfachten Verfahren, das schon für französische Jugendgruppen gilt. Künftig dürfen Schüler in einer deutschen Schülergruppe, die entweder deutsch sind oder eine andere EU-Nationalität haben oder aus Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz stammen, mit dem Personalausweis nach Großbritannien einreisen. Es entfällt die Pflicht, einen Reisepass vorzuweisen. Die Regelung gilt für alle Teilnehmer der Schülerreise, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Jugendliche in der Reisegruppe, die aus anderen Nationen stammen, können sich „ein deutsches Reisedokument“ ausstellen lassen, wodurch sie kein individuelles Visum beantragen müssen. Für die Schüler in Reisegruppen aus Deutschland entfällt überdies die Pflicht, sich im Einreiseprogramm ETA anzumelden, was üblicherweise mit Gebühren verbunden ist. Nach den britischen Ankündigungen sollen Schülergruppen aus beiden Ländern künftig Formulare nutzen können, die den Kontrollaufwand bei der Einreise vereinfachen.

Die Ausnahmeregeln gelten nicht für Schüler, die schon 19 Jahre alt sind, für Lehrer oder andere erwachsene Begleiter. Sie alle müssen weiterhin Reisepässe vorweisen, die ETA-Anmeldung absolvieren und gegebenenfalls ein Visum beantragen. Eltern minderjähriger Kinder sind weiterhin aufgefordert, ihren Söhnen und Töchtern sogenannte Muttizettel mitzugeben, um sicherzustellen, dass die Kinder ihr Heimatland im Einverständnis mit ihren Eltern verlassen.

Die Vereinfachungen zielen darauf, Klassenreisen und organisierten Austausch von Schülergruppen wiederzubeleben, der in fünf Jahren seit dem Vollzug des Brexits um geschätzt rund 75 Prozent geschrumpft ist. Die britische Seite teilte mit, es gebe derzeit keine Pläne, die vereinfachten Einreiseregeln auch auf andere europäische Länder auszudehnen. Großbritannien steht allerdings mit der EU in Verhandlungen, ein allgemeines erleichtertes Mobilitätsprogramm für Jugendliche und junge Erwachsene einzuführen, die jeweils im Vereinigten Königreich oder Ländern der Europäischen Union als Studenten, Praktikanten oder Arbeitskräfte einen begrenzten Aufenthalt anstreben. 

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