Das erste solche Projekt war, nach engagierter und hilfreicher Vorbereitung durch und unter Betreuung von Frau Weiß, MUN-SH im Kieler Landtag vom 12. bis zum 15. März. Dieses Mal noch mit Deutsch als Amtssprache vertraten Bo Sonnenfeld, Merle Bender und Bennett Wieckberg die Delegation Panamas im Sicherheits- sowie im Wirtschafts- und Sozialrat. Insgesamt nahmen über 400 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 21 Jahren an der Konferenz teil, deren Ziel es war, trotz - rollengeschuldet - grundlegend gegensätzlicher Positionen am Ende durch Diplomatie, Debatte und nicht zuletzt Persistenz Kompromisse zur bestmöglichen Zufriedenheit aller Beteiligten zu finden. In der praktischen Ausführung stellte sich dies, gerade durch die ,Veto-Mächte‘ im leicht zu blockierenden Sicherheitsrat, schnell als Herausforderung heraus. Von drei geplanten Themen - Atomprogramm des Irans; Ökozid als Kriegsverbrechen; Militarisierung des Weltraums - konnte, trotz Sitzungstagen teils bis in die späten Abendstunden, lediglich Ersteres in Tiefe besprochen und durch die Verabschiedung einer Resolution beendet werden. Die Interessen Panamas sind vollumfänglich in diese aufgenommen worden. Opfer der knapp bemessenen Zeit wurde auch der Wirtschafts- und Sozialrat (Themen: Chancen und Risiken der Nuklearmedizin; Eindämmung zoonotischer Krankheiten), der es sagenhafte drei Minuten vor Ende der Konferenz schaffte, eine Resolution zu letzterem Thema, sowie einen vorgelegten Resolutionsentwurf der Fachkommission für Suchtstoffe (Thema: Medizinische Nutzung psychedelischer Substanzen) zu verabschieden. Für die Bearbeitung der vielen kreativen Anträge auf die Anhörung von Gastreden war hier keine Zeit mehr, anders als im Sicherheitsrat, wo der Vorsitz auf wiederholte Anfrage einzelner Delegierter resigniert eine Rede des US-Motivationscoaches David Goggins (verkörpert durch ein Mitglied des MUN-Teams) zuließ. Auch andere Gremien kamen in den Genuss solch kurioser Auftritte, die jedoch nicht die einzigen trivialen Highlights der Konferenz bildeten; so bemühte sich die eigens einberufe Konferenzpresse eingängig, kreative Artikel für die konferenzinterne Zeitung sowie Reportagen für die allmorgendlich gezeigte Nachrichtensendung zu erstellen und Vertreterinnen und Vertreter von NGOs sorgten für allerlei Aufruhr. Hinzu kamen, über die Konferenz verteilt, aufschlussreiche Fortbildungen und Seminare, viel Socialising insbesondere in der Kantine des Schleswig-Holsteinischen Landtags (wobei nicht zuletzt auch einige Bekannt- und Freundschaften geschlossen wurden) und, nicht zu vergessen, einen großen Ball am Ende des letzten Konferenztages, an dem die Veranstaltung mit Tanz, Musik, Getränken und Snacks ausklingen gelassen wurde. Auch eine Meme-Gruppe wurde für die Konferenz erstellt, in der das interne Tagesgeschehen auf kreative Weise satirisch aufgegriffen wurde. Etwas kompakter gab sich dann die zweite MUN-Konferenz - FlensMUN in Flensburg - mit gerade einmal der Hälfte an Delegierten auf dem Campus der Europa-Universität vom 11. bis zum 15. Juni. Bo Sonnenfeld und Bennett Wieckberg übernahmen in der, diesmal englischsprachigen, Simulation die Rolle der Delegation der Vereinigten Staaten von Amerika im Sicherheits- sowie im (deutschsprachigen) Menschenrechtsrat. Aufgrund der diametrischen Opposition primär Russlands und der USA scheiterte der Sicherheitsrat (Themen: Sicherung des Seehandels in Kriegszeiten; KI als potentielle Kriegswaffe) daran, einen Resolutionsentwurf zu verabschieden. Schnell wurde, insbesondere zwischen den Delegationen der USA und Russland klar, dass statt Einigkeit im Bezug auf das Thema lediglich Einigkeit zum Nutzen des jeweiligen Vetos bestand. Der Menschenrechtsrat wiederum verabschiedete (trotz wiederholter Provokation und Zeitschindung durch die USA und China) gleich zwei Resolutionen zu den Themen ,Frauenrechte in Krisengebieten schützen' sowie ,Seenotrettung von Geflüchteten'. Bei FlensMUN erhielt Bennett Wieckberg außerdem eine Auszeichnung als Bester Delegierter. Vergleichend lässt sich festhalten, dass der Fokus der FlensMUN-Konferenz stärker auf der sozialen Komponente lag - durch die komprimierte Größe und lockerere Planung entstand schnell ein kollegiales Verhältnis und Abende wurden (nicht zuletzt auch durch das höhere Durchschnittsalter) oft in Clubs und Bars ausklingen gelassen - während MUN-SH-Kiel auf inhaltlicher Ebene und Nähe zur Realität mehr zu bieten hatte. Beide MUN-Teilnahmen sorgten im Nachhinein zweifelsohne für viele besondere Erlebnisse und Erfahrungen, boten die Möglichkeit, an (wenn auch simulierten) Herausforderungen zu wachsen und neue Bekanntschaften zu schließen. Letztendlich gilt es noch zu erwähnen, dass alle Teilnehmenden gehörigen Spaß hatten und es sich mit Sicherheit nicht um die letzten MUN-Teilnahmen gehandelt haben wird.
Verfasser: Bo Sonnenfeld (mit Unterstützung von Merle Bender und Bennett Wieckberg)